Friedhof

Friedhof

 

Heute hatte ich besuch von der Trauer.
Sie bittet mich heute auf den Friedhof zu gehen. Ich packe meinen Mantel und den Regenschirm und laufe los.


Das Wetter ist durchzogen. Regentropfen gleiten den Blättern entlang und lassen sich auf den Boden fallen.
Sie widerspiegeln mein Herz. Das unendlich traurig ist.
Ich laufe den Asphalt entlang. Unter meinen Füssen knirschen die einzelnen Kieselsteine. Ich versuche leise zu sein.

Angemessen für diesen Ort zu erscheinen.


Ich habe das Gefühl ich laufe neben mir her. Als wäre ich in einer Dualität vorhanden.
Mein inneres Ich schaut auf und fragt sich immer wieder, was mache ich hier eigentlich.
Was suche ich auf diesem Friedhof.


Ich laufe die verschiedenen Gräber entlang. Bleibe ab und zu stehen um die Inschriften der Grabsteine zu studieren.
Ja diesen Menschen habe ich gekannt, ich wusste gar nicht das Frau x gestorben ist.
Ach und dieser Mensch war noch viel jünger....


Gedanken um Gedanken nehmen mich in Besitz.


Ich stehe vor dem Grab, das ich aufsuchen will. Was mache ich hier. Ich zupfe etwas an den Blumen. Möchte einige Worte sprechen. die Stimme bleibt stumm....


Ich versuche meine Gefühle zu erkennen. Nichts...als wäre ich selbst die starre Materie des Grabsteins.
Schuldbewusst schiele ich unter meinem geneigten Kopf empor. Ich bin ein schlechter Mensch, ich empfinde nichts an diesem Grab.


Diese Frau dort weint, dieser Mann spricht... und ich???? Stehe still und starr da.
Langsam versuche ich meine Starrheit zu bewegen. Mit jedem Schritt machen sich Gedanken der Vergangenheit breit. Gedanken über das Weggehen aus dieser Welt. Und je mehr Gedanken mir kommen, je bewusster wird mir, die Liebe für diesen Menschen ist in meinem Herzen und nicht in den Grabstein eingemeisselt.


Eine gewisse Leichtigkeit mischt sich unter das traurige Herz. Leichtigkeit, dass ich den Menschen im Herzen mit nach Hause tragen kann.


Und die Gewissheit, dass ich die Ruhestätte als liebende Geste benutzen darf.


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