Der Horizont

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Hinter dem Horizont

 

Wir tragen die Trauer in uns und die Trauer ist ein Teil von uns.

 

Beim Aufgang der Sonne

und bei ihrem Untergang

wird die Erinnerung in uns wach.

 

Beim Wehen des Windes

und in der Glut der Sonne

wird die Erinnerung in uns wach.

 

Wenn wir Freude erleben,

die wir so gern teilen würden

wird die Erinnerung in uns wach.

 

Die Erinnerung, die in uns wach ist, ist durch Sehnsucht und Schmerz getränkt.

Doch durch diese Sehnsucht und diesen Schmerz lebt die Liebe in uns weiter.

 

Diese Liebe stärkt unser Vorhaben, hier zu stehen.

An diesem Ort, wo sovieles bereits geschehen ist.

An diesem Ort, wo alles anders ist als irgendwo sonst.

 

Wie weit können wir, jetzt blicken?

Bis weit zum Horizont.

Der Horizont der nichts anderes ist als die Grenze unseres eigenen Sehens.

 

Der Horizont auf dieser Seite und auf der anderen Seite, dieser Grenze.

 

 

Ich bin für immer aus euren Augen verschwunden.

Doch hinter dem Horizont hat ein neuer unbekannter Kontinent mich willkommen geheissen.

Ein Kontinent, der mein ewiges zuhause sein wird.

Ein grenzenloses Zuhause, in den Weiten eingebettet.

Ein Wohnort der Unendlichkeit.

 

Ich bin für euer Auge unsichtbar. Doch in euren Herzen könnt Ihr mich fühlen.

Ich bin für eure Hände unfassbar. Doch wenn ihr die Augen schliesst, umarmen wir uns.

 

Ich wohne nicht mehr bei euch, doch schaut auf den Horizont vor euch, und ihr wisst wo ich bin.

 

Dieser Ort der Unendlichkeit, dieser Ort der Grenzenlosigkeit lässt mich überall dort sein, wo ihr seid.

Dieser Ort lässt mich an eurem Leben teilhaben. Ruhig und still. Manchmal ganz unbemerkt und unsichtbar.

Eure Gefühle nehme ich in meine unsichtbaren Hände und lege meine ganze Liebe in euer Herz.

 

Ihr werdet  das Gefühl haben, dass ich unter euch weile.

Ich bin immer bei euch, auch wenn ihr mich nicht sehen könnt.

Manchmal habt ihr das Gefühl als würde ich euch ein Zeichen schicken. Das ist immer, wenn ich auf mich aufmerksam machen will.

Manchmal werdet ihr das Gefühl haben, ich lache oder weine mit euch. Ja, Ich begleite euch immer durch eure Tränen und durch euer Lachen.

 

Auf eurer, nein unserer Reise durchdringe ich immer wieder den Horizont um euch nahe zu sein. So nah wie ich nur sein kann.

 

Jeder Ort, ist auch mein Ort und den teilen wir miteinander.

Jeder Ort, ist auch euer Ort den ihr mit mir teilt.

 

Wir stehen an dem Steg. Hand in Hand und keine fehlt. Ich reiche euch meine Hand.

Wir stehen da in Gedanken an die Vergangenheit. Und sind hier in unserer Gegenwart.

Wir stehen da und unsere eigenen Gedanken kreisen in uns. Jeder für sich und doch alle miteinander.

Grenzenlos wie dieser Horizont.

 

Und unsere Tränen küssen diesen Ozean.

Tränen die zu kleinen Wellen in diesem Ozean werden.

Jede einzelne Träne ist eine kleine Welle in diesem Meer.

Die Welle die kommt und die geht.

Der Ozean bleibt und ist immer da.

So wie unser Horizont.

 

Und wenn die Zeit gekommen ist, wird jeder von euch ein kleines Schiff mit weissen Segeln nehmen.

Und wird im Ozean segeln bis zum Horizont und ich werde jeden einzelnen von Euch auf der anderen Seite des Horizonts in Empfang nehmen und euch herzlichst umarmen.

 

Doch bis dahin werde ich euch auf dieser Seite des Ozeans begleiten und immer eine kleine Welle in eurem Leben bleiben.

Still und leise

 

....Und jenseits des Horizonts,

wo die grossen Vögel

am Ende ihres Fluges

die Schwingen in der Sonne trocknen,

liegt ein Erdteil

wo sie mich aufnehmen müssen,

ohne Pass,

auf Wolkenbürgschaft.

Hilde Domin

 

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