Eine Note macht eine Melodie (Fürstenwald)

Man stelle sich ein Lied vor, das viele viele Töne hat. Das Lied ist wunderschön, weil jeder dieser

Töne da ist und seinen Beitrag zur Melodie leistet. Manche Töne sind ganz kurz, andere ganz lang und dann gibt es noch welche, die sind dazwischen mittellang.

 

Plötzlich geschah etwas Unerwartetes mit dem Lied: jemand lässt einen einzigen Ton herausfallen. Plötzlich klingt die ganze Melodie anders. Es fehlt ein Ton und die anderen Töne, die auf ein Zusammenspiel mit ihm abgestimmt sind, müssen sich an die leere Stelle in der Notenzeile gewöhnen.

 

Immer wieder, lange Zeit wird das Lied dann ohne diesen bestimmten Ton gespielt - es gibt auch keinen Ersatz für diesen Ton, denn man kann einen Ton nicht einfach so ersetzen. An seiner Stelle steht einfach nichts.

 

Die anderen Töne finden es komisch, dass dieser Platz von nun an leer sein soll und sie entscheiden sich dazu, dem verlorenen Ton ein Denkmal zu setzen.

Sie setzen ein Pausenzeichen, um zu erinnern, dass an diesem Platz einmal ein besonderer Ton sass.

 

Nach einer Zeit wird auch dieses Lied zu einem gern gehörten Lied. Es ist zwar anders als das Lied vorher war, aber auch die Melodie dieses Liedes klang nach einiger Zeit, als man sich mit der ungewohnten Pause etwas vertrauter gemacht hatte, wunderschön- aber eben ganz anders. (Kerstin Müller)

 

Flötenspiel

 

Ein Mensch, den wir sehr geliebt haben in unserem Leben, hat uns eine geraume Zeit begleitet. Für die einen von uns dauerte diese Begleitung ein Leben lang. Für die anderen von uns eine gewisse Zeit lang. Doch ungeachtet der Zeit, waren diese Augenblicke mit diesem Menschen wunderschön.

 

In dieser unsagbaren Schönheit erlebten wir Höhen und Tiefen. In dieser tiefen Zweisamkeit durften wir die Vielfallt der Emotionen kennen lernen. Die einen Reaktionen waren leichter und beschwingter zu tragen, die anderen eher schwieriger und lauter. Genau in alle diesen Gefühlen konnte diese Liebe bestehen.

Mehr noch, die Liebe hatte an Intensität gewonnen.

Vielleicht war dieses intensive Etwas nicht sofort spürbar, doch auf die Zeit hin wurde die Liebe merklich oder unmerklich gestärkt.

 

Sie ist an jedem Schicksal, ob es traurig oder lustig war, gewachsen. Minute für Minute, Stunde für Stunde, Tag für Tag.

 

Manche Tage schienen uns viel zu kurz. Die Sonne lachte über das Glücklich sein. Über das Miteinander in dieser kurzen und doch so prickelnden Zeit. Am liebsten hätte man die Zeit angehalten. Die Minuten schienen nur so dahin zu fliegen. Eine reine Sinfonie der Liebe mit lieblichen, feinen Klängen. Wie der zarte Flügelschlag eines Engels.

 

Wiederum andere Tage dauerten eine Ewigkeit in dieser schwierigen Zweisamkeit. Momente des Nicht-enden-Wollens, weil es träge und traurig wurde. Die Minuten klebten an uns ohne sich merklich zu bewegen. Die unerträglichen Minuten wurden zu zähfliessenden Stunden. Wie der Donnerschlag der Trommel, der leise aufwirbelt und geballt um sich schlägt. Schlag für Schlag immer lauter wird, kaum zum Aushalten. Bis zum abfliessenden, zum unruhigen Grollen zu verhallen.

 

Dann gab es die ganz durchschnittlichen Tage, die durchzogen waren von der Gewohnheit. Die ruhig und gemächlich dahin trieben, wie ein seichter Fluss. Tage die nicht weiter beachtet wurden. Das Leben in seinem gewohnheitsmässigen Verlauf trottend. Es waren Zeiten in denen jeder auf seine Art wachsen konnten. Es waren Zeiten, da jeder sein eigenes ich in sich begrenzen durfte. Es waren Zeiten des einfachen Seins.

Die Minuten nahmen genau den Verlauf den sie brauchten. Nicht mehr und nicht weniger. So wie eine begleitende feine Hintergrundmusik, die unsere Ohren lieblich umspielte. Die uns im Moment des Seins hielt und uns zu tragen vermochte. Die Melodien, die im gewohnten Einklang immer wieder etwas wechselten und beruhigend die Töne spielen liessen.

 

Und dann geschah das Unvermeidliche. Vielleicht riss der Paukenschlag plötzlich jemanden aus dem Leben. Vielleicht spielte die Flöte langsam und gemächlich das Lebenslied zu Ende.

Doch jeder Klang, jeder Schlag ist immer viel zu früh. Ungeachtet der Dauer dieses Liedes. Ungeachtet der kurzen Intensität, ungeachtet des langen, dauernden Prozesses.

 

Egal wie, plötzlich fehlte die gewohnte, liebliche Melodie in unserem Leben.

Plötzlich hörten wir keine Sinfonie, keinen Trommelwirbel und keine Hintergrundmusik mehr. Plötzlich war alles stumm und schwer in uns und um uns herum. Die vertrauten Töne waren für immer verstummt.

Tränen, Schmerz und Sehnsucht wurden abgelöst von der Musik des Lebens und es wurden plötzlich Noten der Trauer.

Die Minuten dehnten sich aus und wollten nicht enden. Die Zeit hat keinen Begriff mehr. Ein Raum ist nicht mehr vorhanden.

 

Der Gesang der Vergangenheit verwandelt sich in ein träges Summen im Jetzt. Die Noten bleiben schwarz und stumm.

Jeder Tag bringt diese unerträgliche Stille, unsagbare Leere, den tiefen Schmerz und die unerfüllte Sehnsucht mit sich. Die Stille hat sich im Aussen tief ausgebreitet und die unruhige, die wortlose Leere umhüllt unser ganzes Inneres, wie die schwarze Farbe die Noten ausfüllt.

 

Flötenspiel

 

Plötzlich ist es, wie wenn alle Noten verschwunden wären und nichts mehr da ist, als die geraden Linien ohne die Strukturen die nicht mehr sind. Die Linien, die einzig und allein der Notenschlüssel zusammenhält.

Dieser Notenschlüssel, der die einzige Verbindung ist. Die Verbindung zu den verschiedenen.

 

Tönen der Emotionen in uns. Töne die wir wegwischen möchten und alles ungeschehen und ungehört werden lassen möchten. Töne die ihre Harmonie verloren haben und leer, ohne Melodie dastehen.

 

Wir erkennen schmerzlich was uns jetzt fehlt. Welche Lücke dieser Mensch hinterlässt. Welche Melodie nicht mehr ist. Etwas Wichtiges, Liebgewonnenes fehlt in unserem Leben. Die Gedanken an diesen Menschen können die Lücken im Hier und Jetzt nicht füllen, denn eine Umarmung, ein Liebkosung und Berührungen können mit Gedanken nicht gefüllt werden. Sie bleiben unerwidert, wo sie sind.

Das Orchester ist verstummt. Die Töne verblasst. Das Lied ist nicht mehr.

 

Doch eine Note ist leise und intensiv gleich geblieben. Es sind Gedanken und Erinnerungen ein unverzichtbarer Halt.

Sie hält unsere Liebe aufrecht und erweckt ein nie gekanntes Leben, ohne diese Person. Ein Leben voller Erinnerungen.

Ein Leben mit viel Entbehrungen, jedoch Erinnerungen, die ein Lächeln in unser Gesicht zaubern können von vergangenen Geschichten. Geschichten die uns bezaubern und für einen Moment die Melodie wieder zum Leben erwecken.

Erinnerungen, die Tränen aufkommen lassen. Tränen, weil sie nun in die Vergangenheit getreten sind. Unwiderruflich still.

 

Beim genauen hinhören werden leise, kaum hörbare Töne immer wieder, ganz, ganz zaghaft geweckt. Töne die wir so in dieser Art nie kennen lernen durften, werden leise auftauchen und gehört. Kurz und doch intensiv. Manchmal lauter, manchmal leiser, manchmal bleiben sie verstummt.

 

Diese gewohnheitsmässigen Töne bleiben jedoch verstummt. In dieser Stille werden wir erinnert, welchen Platz unsere liebe Person eingenommen hat. Wieviel besser das Leben mit dem Menschen gewesen ist. Wieviel Vielfalt es mit diesem Menschen zu leben gab.

Ruhige und sanfte Klänge dazwischen lagen. Doch auch raue und laute Töne mitzuschwingen wagten. All das hat das Leben, mit dem lieben Menschen, bereichert. Alle diese Töne haben eine wundersame Melodie hervorgebracht. Eine ganz eigene Dynamik einer Melodie. Jeder Mensch als eigener Komponist und Schreiber

Seine eigene Melodie des Lebens. Die Melodie genau für diesen Menschen geschrieben. Die Melodie der Liebe und des Lebens.

 

Unser Leben ist ein anderes geworden. Die Melodie, das Lied wird nie mehr die gleiche sein. Sie wird nie mehr diese Sanftheit, diese Wucht und diese Harmonie und diesen Zauber ausdrücken können.

Unser neues Leben wird ein ganz neues Lied komponieren müssen.

Ein Lied ohne diesen Menschen und seinen Klang im Hier und Jetzt. Doch eine Sinfonie mit der Liebe, die in uns bleibt. Klänge die miteinander verbunden sind zu einem wunderbaren Lied.

Ein Lied, das zu seinem eigenen Leben erwacht. Mit seinen eigenen Instrumenten. Eine Melodie, die mit allen ihren Noten, wieder einen Platz erhalten darf. Eine Melodie die ganz neu komponiert werden darf.

 

Wir geben diesen Klängen neue Gefühle, neue Emotionen. Liebe, Sehnsucht und Hoffnung die sich wieder neu zusammenfügen.

Es werden Klänge der Verbundenheit, des Alleinseins, der Sehnsucht, der Trauer und der unendlichen Liebe. Doch auch Klänge eines Neuen Daseins. Klänge, die um die Welt gehen können im Aussen, wie im Innen.

 

Es wird eine Melodie der Verbundenheit, denn der Notenschlüssel hat die Welten zusammen gehalten. Er hat sie zusammengeführt, mehr noch, er hat sie verbunden. Verbunden für ein ganzes irdisches Leben. Verbunden für eine ganze Ewigkeit, wo immer diese sein wird.

Halten wir in dieser neuen Melodie die unsichtbare Hand unserer Lieben. Die Hand, die unsere Liebe, aufrechterhält. Die Hand die uns die Gewissheit gibt, sie wieder einmal greifen zu dürfen.

Nicht hier, sondern dann wenn es Zeit ist, unsere ganz eignen Note aus unserem Lebenslied zu nehmen.

 

Flötenspiel

 

Weil deine Augen so voller Trauer sind,

und deine Stirn so schwer ist von Gedanken,

lass mich trösten, so wie man ein Kind in Schlaf einsingt, wenn letzte Sterne sanken.

 

Die Sonne ruf ich an, das Meer, den Wind,

dir ihren hellsten Sonnentag zu schenken,

den schönsten Traum auf dich herabzusenken,

weil deine Nächte so voll Wolken sind.

 

Und wenn dein Mund ein neues Lied beginnt,

dann will ich Meer und Wind und Sonne danken,

weil deine Augen so voll Trauer sind,

und deine Stirn so schwer ist von Gedanken.... (Mascha Kaleko)

 

So nehmen wir heute Abend unsere ganz eigene Melodie nach Hause.

Vielleicht hat dieses Lied eine neue Formation erhalten.

Lass dein Herz dieses Lied komponieren. Nimm das Licht in dir mit nach Hause und gehen wir den stillen Weg in unseren Alltag zurück. Mit einer Melodie, mit eigenen Noten und anderen Tönen.

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Amiro, du wirst fehlen

die trauer hat uns in diesen besinnlichent tagen eingeholt.

 

das lustige und schelmenhafte schwarze knäuel, wird uns nie mehr den morgen versüssen und dem tag seine besondere note schenken.

 

das morgliche abschied nehmen, die hand greift ins leere. das fell wird nicht mehr gestreichelt.

 

der bürotisch bleibt leer und die aufgaben die darauf zu erledigen sind verlieren an leichtigkeit.

 

die gartenarbeit muss jetzt ohne aufsicht und gemäker vor sich gehen. das waschbecken, muss nicht mehr mit wasser gefüllt sein.

 

das begrüssungskomitee beim nachhause kommen wird nicht nur uns sehr fehlen.

das abendliche ritual vor dem zu bette gehen bleibt unerledigt.

 

sicher es ist „nur“ eine katze. doch auch tiere haben seelen und verstehen uns menschen, manchmal sehr viel besser als menge artgenossen von uns.

 

sicher ist es „nur“ ein tier. und trotzdem sind verbindungen sehr intensiv. sie sind stumme zuhörer, aufmerksame krankenpfleger und treue begleiter.

 

sicher ist es nicht zu vergleichen mit einem menschen und dennoch darf man mit tieren viel lachen und weinen. macht sich sorgen um was auch immer. wird sind bemüht das es ihnen gut geht.

 

in dem sinne nehmen wir abschied von amiro. es war eine sehr intensive und lehrreiche zeit mit dir. voller überraschungen, voller freude, voller aufmerksamkeit.

danke für dein da sein.

 

in liebe.

 

 

 

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Blumen der Liebe

Manchmal muss ich still sein,

denn das ist der einzige Weg,

ein wenig besser zu verstehen,

ein wenig weiser zu denken,

ein wenig vollkommen zu werden,

Gott ein wenig früher mein

eigen zu nennen.

 

Sri Chinmoy

 

Wir sind heute an diesem Wasser, an dieser Stätte. Es soll eine Zeit der Stille sein. Dieser Ort ist nicht die Stille selbst, sondern das Rauschen der Natur.

 

Der Ort der Stille ist in uns selbst. Die Natur kennt ihre eigene Stille.

 

 

In der Natur wird geboren und geschieden.

 

Ein immer währender Werdegang.

 

 

 


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Feuer und Rauch

Diese winterliche Nacht hat uns zusammen gebracht.

Geben wir uns die Hand und wir halten uns einander fest.

Zusammen stehen wir da, in unserer Trauer und unserem Vermissen.

 

Wir treffen hier zusammen an diesem Ort. Ungebunden von einem Gebäude.

Frei von Wänden, frei von Konfessionen. Frei, unsere Trauer, auf unsere eigene Weise ausleben zu dürfen.

 

Wir treffen uns hier, weil uns ein gleiches Schicksal verbindet, weil es dunkel ist um uns herum. Weil vielleicht dein Mann, dein Kind, dein Vater oder Mutter oder jemand der dir sehr nahe gestanden hat, nicht mehr unseren Alltag mit uns teilt.

Und doch trägt jeder für sich, seine ganz eigene Geschichte mit sich.

 

Wir treffen uns hier, weil „das Nahe sein, von dem Fernen“ zusammen und miteinander  Halt gibt. Nicht ganz alleine, in diesem Moment, dazu stehen.

 

Gehen wir heute ein Stück dieses Weges gemeinsam.

 

Wir tragen ein Licht in unserer Hand. Ein kleines Licht.

Ein Licht das immer wieder anders in Erscheinung treten kann.

Jetzt ist es in unserer Hand, eine kleine, fast unscheinbare Flamme.

 

Diese kleine Flamme kann wachsen, wenn sie genährt wird.

Je mehr ihr zugetragen wird, desto mehr wächst sie, desto kräftiger tritt sie in Erscheinung.

 

Eines ist die Flamme immer, sie ist fest in dieser Welt eingebunden und verbunden. Diese Welt hier hält sie am Leben.

Sie erhellt unsere Herzen, sie erwärmt uns unser Gemüt. Sie bringt Licht in unser Leben.

Sie verändert unsere Sichtweise.

Sie drängt den Schatten ins Abseits.

 

Genau die gleiche Flamme kann uns Schmerz zufügen.

Sie ist für unsere Hände zu heiss. Ein Lufthauch und die Angst vor der Dunkelheit kann Einzug halten.

Sie kann uns blenden, weil ihre Helligkeit, weit über unsere Sicht hinausgeht.

 

Genau so wie uns unsere Trauer schmerzt.

Genau so wie das Verlorene, unsere Augen nicht mehr erhaschen kann.

Genau so ist diese Trauer, von dieser Welt.

Wir tragen die Trauer in uns. Wir tragen die Verstorbenen in uns.

Die, die von uns Gegangen sind, sind frei. Frei von dieser Trauer.

 

Erlischt das Feuer windet sich Rauch hoch in die Lüfte.

Weiter und immer weiter, bis er für unser Auge unerreichbar wird.

Weiter ins Himmelreich, jenseits dieser Welt. Weiter und weiter.

Weiter als unsere Gedanken je reichen werden.

 

Wir stehen hier auf dem Nährboden des Feuers und sind gefangen in dieser Zeit, in diesem Raum ohne Wände.

Unsere Lieben haben sich in die Winde des Rauches gelegt und sind entschwunden.

Für unser Auge, für immer unsichtbar geworden.

Sie sind frei.

 

Wir stehen hier unter diesem freien Himmel, genau so frei sind unsere Verstorbenen.

 

In ihrer Freiheit erlauben sie uns, ihr Bild zu betrachten.

Bilder die wir aufgehängt haben oder in unserem Herzen mit uns tragen. Bilder die in unserem Inneren nie verblassen.

Vielleicht streichen wir behutsam über das Bild.

....Es ist eben nur ein Bild.

Unser Feuer wird genährt und wird zu Rauch.

 

In ihrer Freiheit erlauben sie uns, ihre Stimme in Gedanken zu hören. Zu lauschen auf die Geschichten und Gedichte, die sie uns erzählt haben. Dieses erlebte, uns manchmal auch ein Lächeln auf unser Gesicht zaubert. Die Fröhlichkeit für einen Augenblick in unser Herz eindringt.

Um danach, diesen Keim sofort wieder zu bändigen und zu ersticken. Ihn aus zu löschen. ...Es darf nicht sein.

Das Feuer lodert und der Rauch ist frei.

 

In ihrer Freiheit trösten sie uns in den Träumen. Träumen in denen sie sich zu erkennen geben, als die liebevollen Menschen von einst.

In den Nächten, wo sie ungestört monologe Gespräche mit uns führen.

Und Gesten, wie aus Geisterhand, ausgeführt werden. Erinnerungen im Dunst geweckt werden.

Bis der Traum verblasst. Ins Nichts entschwindet.

In unseren Herzen Wehmut und Trauer streut.

Das Feuer wurde entfacht und der Rauch verblasst.

 

In ihrer Freiheit geben sie sich uns zu erkennen. Auch wenn wir diese versteckten Gesten oft gar nicht wahrnehmen.

Sie geben sich zu erkennen, in den leisen Regentropfen, der plätschernd an den Boden fällt, um dann wieder der Sonne zu weichen.

Sie geben sich zu erkennen, in der Schönheit der Blumen. Die aufblüht und eines Tages welk sich der Erde übergibt.

Sie geben sich zu erkennen, genau in diesem Blatt. Das still vom Baume fällt. Den Samen für das Kommende streut.

Sie geben sich zu erkennen, in dem Regenbogen, der übers Land zieht und die Farben in unserem Herzen niederlassen.

Sie ergeben sich zu erkennen, in unserem Haus. Auf dem Stuhl, auf dem sie gesessen sind.

In dem Zimmer, wo sie geschlafen sind. In der Küche wo sie mit uns gegessen haben.

Sie geben uns die Freiheit, ihre Gesten, ihre jetzige Lebendigkeit zu spüren.

 

In einigen kurzen Augenblicken wissen wir diese Wirklichkeit wahr zu nehmen.

Diesen Augenblick ganz festzuhalten.

Für einen kurzen Wimpernschlag ist diese so nahe, scheinbare Realität zum Greifen nahe.

Um mit dem nächsten Augenschlag zu begreifen, dass die Wirklichkeit eine ganz andere ist.

 

Wir, die in dieser schmerzvollen Wirklichkeit leben und von der Nahrung des Feuers Leben, es selber nähren, wir die Lebenden sind unsicher und unfrei.

Unsicher wie unser Leben weiter gehen soll. Unfrei, gebunden an unseren Schmerz, an unser Verlangen, an unsere Sehnsucht. Das Verlangen an dessen Schulter sich anlehnen zu können.

Wir sind unbeholfen, denn alles hat, für uns, geringen bis keinen Sinn mehr, denn alles ist im Rauch zerflossen und im Feuer verloschen.

Mehr noch, die Lebenden selbst, führen uns, unbewusst Schmerzen zu. Obwohl schon genug Schmerz da ist.

Wir wissen, dass sie es gut meinen, dennoch können wir die Worte nicht mehr hören.

 

Sie blasen ins Feuer, um mehr Glut zu erzeugen. Im Unwissen, dass die Glut Wunden nicht heilen lässt.

Im Unwissen, dass keines dieser Worte für Trost, uns je erreichen werden.

Im Unwissen das diese Worte verloren gehen.

 

Die Verstorbenen sind frei.

In ihrer Freiheit gehen sie übers Meer. Hinter den Horizont. Im Irgendwo.

Sie gehen in eine neue Welt, in eine Welt mit anderem Leben.

Sie erklimmen jeden Berg, um sich frei in die Lüfte zu schwingen.

Die Verstorbenen sind frei von Schmerzen und Tränen.

Sie sind frei von Besitz. Frei von Zweifel und Verdruss.

 

Sie sind frei zu lieben: Eine Liebe die stärker ist, als alles was wir kennen.

Eine Liebe ohne Wenn und Aber. Eine Liebe die keine Grenzen kennt.

In ihrer Freiheit geben sie uns diese Liebe. Eine unbekannt neue Liebe.

Eine Liebe der nicht mit Worten genüge getan werden kann.

Eine Liebe die unsere Herzen im tiefsten Inneren berühren.

 

Wir die Lebenden sind unfrei und unsicher.

Wir selbst sind ausserstande uns selbst zu trösten.

Wir selbst fliehen vor der Trauer, die schmerzlich in uns lodert, wie ein Feuer.

 

Vielleicht kann uns das Feuer Trost spenden und der Rauch unsere Worte weiter tragen.

Weiter zu unseren Lieben.

Das Feuer wird genährt durch unsere stillen Worte.

Der Rauch ist frei diese Gedanken zu tragen.

Zu tragen in die Weite der Nacht.

Zu tragen in die Welt im Irgendwo.

Zu tragen von der Welt der Lebenden in die Welt der Toten.

 

Das Feuer in unseren Händen ist die Verbindung beider Welten.

Geben wir dem Feuer die Gelegenheit den Rauch in die Weite zu tragen.

Damit wir dem Rauch, in die Weite, nach blicken dürfen.

In die Weite, wo wir für einen Augenblick, mit unseren Lieben verweilen dürfen.

In die Weite, wo wir mit unseren Lieben verbunden sein dürfen.

In die Weite, wo wir eines Tages zusammen, Hand in Hand, entschweifen dürfen.

Irgendwann...

Irgendwo....

 

 

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Vergänglichkeit

Vergänglichkeit

 

Kalt und noch grau ist dieser Herbstmorgen.

Die Finger klamm von der Frische an diesem Tagesbeginn.

Der Schatten umgibt mich noch, doch der Sonnenstrahl ist nur noch einen Fussbreit von mir entfernt.

 

Schlagartig wird mir klar und es stimmt mich traurig, was ich nicht wahrgenommen habe:

Die wärmende Sonne und die Blütenpracht,

mit all diesen wunderbaren Farben in diesem Sommer.

Den leichten Flügelschlag der Schmetterlinge, das sommerliche Konzert der Vögel.

Die flimmernde Hitze der Mittagszeit.

Die lauen Abende im Sternenglanz.

 

Wo war ich all die Tage, Wochen, ja Monate?

Wie ist es möglich, dass diese Jahreszeit einfach so an mir vorüber gezogen ist, ohne dass ich sie wirklich wahrgenommen habe?

 

Jetzt im späten Herbst wird mir erst bewusst, dass ich so vieles nicht gesehen habe.

Wie der wunderbare Herbst mit seinem einzigartigen Duft an mir vorbei gegangen ist.

Die volle Pracht der Farben sich langsam verabschiedet hat.

 

Die Sonne umstrahlt die Restfarben dieses Herbstes.

Sie tanzt um die Wette mit der Intensität der Farbe der Hortensie.

Eine Blüte voll in ihrer Farbe, die Andere neigt sich dem herbstlichen Gebrächen zu.

Ein Spiel zwischen sein und nicht sein.

 

Die Sonne ist nur noch einen Fussbreit entfernt. Einen Schritt und ich könnte die Wärme der Sonnenstrahlen einfangen, die Blüten der Hortensie greifen.

Einen Schritt und die Sehnsucht nach dem Sommer stillen.

Doch dieser Schritt bleibt mir verwehrt.

Eine Wolke verdrängt diese herrliche Sicht und wird eins mit dem Schatten in dem ich stehe.

 

Ich kann das gelebte Leben nicht zurückholen und die Sehnsucht nach dieser Zeit bleibt.

Die Sehnsucht nach der Helligkeit zu greifen bleibt ungenährt zurück.

Die Leichtigkeit des Sommers hat sich verzogen und die Schwere des Schattens hat sich in mir ausgedehnt.

 

Bald wird sich die Einsamkeit des Winters in meinem Herzen einnisten.

Die Einsamkeit und Sehnsucht nach der Kraft und der Intensität des Lebens.

Die Hand wird in den kalten Hauch der Jahreszeit greifen.

 

Ohne Leben, ohne Hoffnung und ohne Widerkehr für das Vergangene.

Traurigkeit nimmt mich in Anspruch.

Traurigkeit die Zeit ohne Wahrnehmung vertan zu haben.

Traurigkeit, dass andere Dinge wichtiger gewesen sind als die Aufmerksamkeit für den Moment.

 

Sich schuldig zu fühlen jeden Wimpernschlag verschenkt zu haben ohne nachzudenken.

Gedanken und Handlungen zu durchleben, die keine Prioritäten hatten.

Aufgeschoben, bis die Zeit durch die Finger rieselt und nicht mehr aufzuhalten ist.

Zeit die vergangen ist, Zeit die nicht mehr kommen wird.

 

Alles was zurück bleibt ist die Liebe zu dem was gewesen ist. Die Liebe zu dieser Leichtigkeit und Wärme.

Die Liebe hat diese Spuren im Herzen hinterlassen.

Spuren die nicht versiegen.

Spuren die die Sehnsucht aufkeimen lassen.

Spuren die auf der Suche nach dem Vergangenen sind.

 

Die Sonne ist einen Fussbreit entfernt. Die Wolke hat sich verzogen.

Ich kann den Schritt in die Sonne nicht wagen, doch die Sonne kommt zu mir und umhüllt mich mit ihrer Geborgenheit und Wärme.

Vielleicht nicht in diesem Herbst, vielleicht in irgendeinem anderen Herbst, wo diese Sehnsucht nach dem Zeitlosen gestillt wird.

 

Die Traurigkeit zaubert ein Lächeln hervor. Nicht heute, irgendwann wird meine Liebe wieder erwidert.

Wenn nicht hier, dann irgendwo.



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Selbsthilfe Graubünden

Ich freue mich per sofort diese Gruppe leiten zu dürfen.

 

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Der Horizont

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Hinter dem Horizont

 

Wir tragen die Trauer in uns und die Trauer ist ein Teil von uns.

 

Beim Aufgang der Sonne

und bei ihrem Untergang

wird die Erinnerung in uns wach.

 

Beim Wehen des Windes

und in der Glut der Sonne

wird die Erinnerung in uns wach.

 

Wenn wir Freude erleben,

die wir so gern teilen würden

wird die Erinnerung in uns wach.

 

Die Erinnerung, die in uns wach ist, ist durch Sehnsucht und Schmerz getränkt.

Doch durch diese Sehnsucht und diesen Schmerz lebt die Liebe in uns weiter.

 

Diese Liebe stärkt unser Vorhaben, hier zu stehen.

An diesem Ort, wo sovieles bereits geschehen ist.

An diesem Ort, wo alles anders ist als irgendwo sonst.

 

Wie weit können wir, jetzt blicken?

Bis weit zum Horizont.

Der Horizont der nichts anderes ist als die Grenze unseres eigenen Sehens.

 

Der Horizont auf dieser Seite und auf der anderen Seite, dieser Grenze.

 

 

Ich bin für immer aus euren Augen verschwunden.

Doch hinter dem Horizont hat ein neuer unbekannter Kontinent mich willkommen geheissen.

Ein Kontinent, der mein ewiges zuhause sein wird.

Ein grenzenloses Zuhause, in den Weiten eingebettet.

Ein Wohnort der Unendlichkeit.

 

Ich bin für euer Auge unsichtbar. Doch in euren Herzen könnt Ihr mich fühlen.

Ich bin für eure Hände unfassbar. Doch wenn ihr die Augen schliesst, umarmen wir uns.

 

Ich wohne nicht mehr bei euch, doch schaut auf den Horizont vor euch, und ihr wisst wo ich bin.

 

Dieser Ort der Unendlichkeit, dieser Ort der Grenzenlosigkeit lässt mich überall dort sein, wo ihr seid.

Dieser Ort lässt mich an eurem Leben teilhaben. Ruhig und still. Manchmal ganz unbemerkt und unsichtbar.

Eure Gefühle nehme ich in meine unsichtbaren Hände und lege meine ganze Liebe in euer Herz.

 

Ihr werdet  das Gefühl haben, dass ich unter euch weile.

Ich bin immer bei euch, auch wenn ihr mich nicht sehen könnt.

Manchmal habt ihr das Gefühl als würde ich euch ein Zeichen schicken. Das ist immer, wenn ich auf mich aufmerksam machen will.

Manchmal werdet ihr das Gefühl haben, ich lache oder weine mit euch. Ja, Ich begleite euch immer durch eure Tränen und durch euer Lachen.

 

Auf eurer, nein unserer Reise durchdringe ich immer wieder den Horizont um euch nahe zu sein. So nah wie ich nur sein kann.

 

Jeder Ort, ist auch mein Ort und den teilen wir miteinander.

Jeder Ort, ist auch euer Ort den ihr mit mir teilt.

 

Wir stehen an dem Steg. Hand in Hand und keine fehlt. Ich reiche euch meine Hand.

Wir stehen da in Gedanken an die Vergangenheit. Und sind hier in unserer Gegenwart.

Wir stehen da und unsere eigenen Gedanken kreisen in uns. Jeder für sich und doch alle miteinander.

Grenzenlos wie dieser Horizont.

 

Und unsere Tränen küssen diesen Ozean.

Tränen die zu kleinen Wellen in diesem Ozean werden.

Jede einzelne Träne ist eine kleine Welle in diesem Meer.

Die Welle die kommt und die geht.

Der Ozean bleibt und ist immer da.

So wie unser Horizont.

 

Und wenn die Zeit gekommen ist, wird jeder von euch ein kleines Schiff mit weissen Segeln nehmen.

Und wird im Ozean segeln bis zum Horizont und ich werde jeden einzelnen von Euch auf der anderen Seite des Horizonts in Empfang nehmen und euch herzlichst umarmen.

 

Doch bis dahin werde ich euch auf dieser Seite des Ozeans begleiten und immer eine kleine Welle in eurem Leben bleiben.

Still und leise

 

....Und jenseits des Horizonts,

wo die grossen Vögel

am Ende ihres Fluges

die Schwingen in der Sonne trocknen,

liegt ein Erdteil

wo sie mich aufnehmen müssen,

ohne Pass,

auf Wolkenbürgschaft.

Hilde Domin

 

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Stiller Weg...

Stiller Weg im Fürstenwald

 

Ich möchte ich alle Anwesenden herzlich bergrüssen.

 

Ich bin zutiefst bewegt, dass sie mit mir hier stehen.

Es bewegt mich so, dass ich diese eindrückliche Ruhe hier

mit einigen ich Worten untermalen möchte.

 

Worte die uns alle betreffen.

 

Währende des Textes werde ich, in Stille,  einen weiteren Stein auf diesen Weg legen.

                                                                                          Wer mag darf diesen Weg, mit seinem Stein in

                                                                                          Gedanken und Achtsamkeit weiterbauen.

 

                                                                                Nach den Worten bleiben wir für einen kurzen

                                                                                          Moment, in Gedanken,  bei unseren

                                                                                          Verstorbenen. Um dann ruhig und besinnlich

                                                                                          den Heimweg anzugehen.

                                                                                          Nehmen sie ihr Licht auf diesen Heimweg mit.

 

Wir alle haben uns  hier versammelt, um diesen Weg miteinander zu gehen.

Wir alle teilen, in der Stille, das gleiche Schicksal.

 

Wir alle haben heute Besuch von der Trauer

 

Wie viel Steine gibt es auf unserer Welt?

Wie viele male sehen wir „nur“ Steine. Laufen unachtsam an ihnen vorbei.

Ohne Gedanken, ohne sie zu sehen.

 

Sie sind in unserem Alltag zur Normalität geworden.

 

Wie viel Tage verbringen wir mit unseren lieben Mitmenschen.

Wie viele male leben wir miteinander, ohne wirklich den anderen bewusst wahrzunehmen.

Ohne Gedanken, in der nicht bewussten Art des Seins.

 

Wir sind in unserem Alltag zur Normalität geworden.

 

Viel zu wenig haben wir bis jetzt wahrgenommen, dass die Steine

schmeichelnd, kantig, rissig, eckig, gross oder klein sind. Einfarbig oder die verschiedenen Farben der Natur widerspiegeln.

Jeder für sich den Hinweis auf ein Unikat in sich trägt.

 

Jeder von uns trägt einen solchen Stein heute bei sich. Der Stein als Unikat.

Doch es ist heute Abend weit mehr als dies.

Er ist ein Unikat, für den Menschen, der für uns so einzigartig gewesen ist und immer sein wird.

 

Ein Mensch der genauso schmeichelnd, kantig, gross oder klein sein konnte.

Der seine eigene Farbe und die vielen Farben der Natur in sich trug.

 

Genau das ist es, was diesen Menschen zum Unikat werden liess.

Genau das ist es, was ihn so wertvoll und einzigartig erscheinen liess.

Genau das ist es und genau deswegen, werden wir unsere Liebe immer in uns tragen.

 

Ein Mensch der unvergänglich in unserem Herzen, in unserem Bewusstsein ist.

Ein Mensch, dessen Liebe unzerstörbar ist. Ein tiefe Liebe die uns niemand nehmen kann.

 

Eine unerwiderte Liebe, voll von Schmerz und Sehnsucht geprägt. Doch würde diese Sehnsucht, dieser Schmerz nicht sein, würde diese Liebe eine ganz andere Bedeutung bekommen.

 

Bedacht liegt ein Stein in unseren Händen. Liebevoll wendet sich unser Blick auf dieses Stück Natur. Der weitaus mehr bedeutet, als unsere Natur.

Liebevoll und voller Sehnsucht durchdringen unsere Gedanken diesen Stein.

 

Wir alle sind hier in unserem eigenen Leid, unserem Schmerz, unserem Vermissen.

Wöchentlich, täglich, ja sogar stündlich sind unsere Gedanken bei dem Heimgegangenen.

 

Gedanken die uns begleiten und denen wir machtlos gegenüber stehen.

 

Gerne  möchte ich einige Gedanken von Thornton Wilder auffassen:

 

Da ist ein Land der Lebenden und da ist ein Land der Toten; als Brücke dazwischen ist unsere Liebe.

Welch grosse Worte

 

Da ist ein Land der Lebenden.

Wir haben dieses Land mit ihm, dem lieben Menschen erlebt.

Manche von uns sind mit ihm einige Schritte gegangen,

andere fast den gesamten Lebensweg.

Über die Zeit im "Land der Lebenden", gemeinsam mit ihm, haben wir viele Erinnerungen und können sehr viel erzählen.

Gerade heute Abend sind viele dieser Erinnerungen wieder wach geworden.

 

Wir erinnern uns an glückliche Stunden mit ihm in unserer Mitte, an lustige Erlebnisse, an Feste und Feierlichkeiten mit ihm, an Freude und Ausgelassenheit; doch da sind auch Erinnerungen an Krankheit, an traurige Erlebnisse und schwere Stunden.

 

Da ist ein Land der Lebenden und da ist ein Land der Toten; und als Brücke zwischen beiden steht unsre Liebe.

Diese Brücke ist stark; sie wird lange halten; bei einigen von uns für alle Ewigkeit.

Es ist eine Brücke, gebaut aus Steinen der Liebe, befestigt mit unseren Tränen,

verfugt mit unseren Erinnerungen und unseren guten Gedanken.

Lasst diese Brücke stark sein, als Verbindung zu ihm; als Verbindung über die Grenze hinweg, über die Grenze zwischen dem Land der Lebenden und dem Land der Toten.

 

Gehen wir den Weg zu dieser Brücke.

Zu der Brücke die das Jenseits mit dem Diesseits verbindet.

Legen wir die Steine mit unseren eigenen Gedanken auf diese Brücke.

Legen wir die Steine symbolisch für unsere Lieben.

Legen wir die Steine, dass unsere Wege auf dieser Brücke wieder vereinen werden.

 

Gehen wir in Stille diesen Weg.

Denken wir in der Stille an diejenigen, die nicht mehr auf dieser Welt verweilen.

 

Jeder nehme seinen Stein und bringe ihn auf seinen Weg......

 

(Der Weg wird weiter gebaut)

 

Wir tragen das Licht bei uns, damit dieser Weg hell erscheint. Damit unsere Brücke auch in den dunklen Stunden in heller Erinnerung bleibt.

 

Nehmen wir das Licht mit uns auf in unsere weltliche Nacht. Zurück in unseren Alltag.

Nehmen wir das Licht mit, damit unsere schwere Stunden erhellt werden.

Nehmen wir das Licht mit, damit wir immer wieder zu dieser Brücke, zu diesem Weg zurück finden. Den Weg zur unwahrscheinlich grossen Liebe.

 

Auf Wiedersehen bis dann, bis irgendwann, bis auch wir über diese Brücke gehen werden.

 

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Zertifikat

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Die gesellschaftliche Norm

Ich hatte heute eine besondere Art Besuch von der Trauer

 

Die gesellschaftliche Norm des Menschen

 

Traurig, dass der Mensch heute nicht mehr wahrgenommen wird als Mensch.

Als Mensch mit Reife und Erfahrungswerten.

 

Traurig, wenn du dich bei einem Amt vorstellst und du zuallererst gefragt wirst welche Ausbildungen du vorzeigen kannst und welcher Vereinigung du angehörst. Der Mensch    

                                                                                           wird reduziert auf das, was er hat und

                                                                                 nicht auf das, was er ist.

 

Traurig, dass Lebenserfahrungen nichts mehr gelten.

Menschen mit anerkannter Bildung, die Überforderung an den Tag legen und dies wird von der öffentlichen Hand finanziell gestützt.

 

Traurig, dass nicht mehr zugehört wird, welche Lebensreife der Mensch mitbringt.

Er wird reduziert auf die schulischen Leistungen.

 

Traurig, dass Rechtschreibfehler mehr gelten als der Inhalt eines Textes.

Professionalität ist gross geschrieben, jedoch nicht Individualität und Empathie.

 

Traurig, dass Ausbildungen die nicht „anerkannt“ sind, belächelt werden.

Zudem noch aus eigener Tasche finanziert werden.

Jedoch staatlich subventionierte Hochschulen, mit gleichem Inhalt des Lehrstoffes, das non plus ultra sind.

 

Traurig, dass Buchwissen solch einen Stellenwert geniesst und das innere Wissen auf der Strecke bleibt.

 

Nun das ist heute die Norm.

Und wir tragen die Norm mit, weil wir uns für diese Norm verbiegen, um das vorzuweisen was verlangt wird.

 

Und wir tragen die Norm mit, weil es „günstiger“ ist, dies finanzieren zu lassen.

Und wir tragen die Norm mit, dass wir uns keine Blösse geben müssen, unwissend dazustehen.

Und wir tragen diese Norm mit, weil es bequemer ist mit dem Strom zu schwimmen, als als ein Einzelkämpfer zu rudern.

 

So traurig auf was die Menschheit sich reduzieren lässt und sich selbst reduziert.

Wie weit macht der Mensch hier selbst mit.

 

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Flugzeugabsturz

Flugzeugabsturz von Germanwings

 

Mehrmals wurde ich angesprochen, ob nichts zu schreiben hätte, über diesen

schrecklichen Flugzeugabsturz von Germanwings.

Erst wollte ich nicht, weil so vieles gesagt und geschrieben wird.

So viele Wertungen, Bewertungen und Urteile.

Und doch möchte ich jetzt dazu etwas mitteilen.

 


Es wird so vieles gschrieben in der Presse über den gewissen Piloten.

Doch keine gedruckte Zeile bringt ihn zurück.

 

Es wird viel gesprochen in den Medien über die berühmten Personen.

Doch ihr Bekanntheitsgrad bringt sie nicht zurück.

 

Es wird geschrieben über die vielen Passagiere.

Doch kein Flugticket kann sie zurück bringen.

 

Es wird fast nichts gesprochen von den Mitarbeitern dieser Gesellschaft.

Doch kein Arbeitsvertrag bringt sie an diese Arbeitsstelle zurück.

 

Pilot, Berühmtheiten, Passagiere und Mitarbeiter alle verbindetet das gleiche Schicksal, sie werden nie mehr hier sein.

 

Der Pilot hinterlässt Angehörige.

Wer denkt an sie?

Sie sind in ihrer Trauer – in ihrem Schock – in ihrer Unfassbarkeit.

 

Die Berühmtheiten hinterlassen Angehörige.

Wer denkt an sie?

Sie sind in ihrer Trauer – in ihrem Unverständnis – in ihrem Unbegreifbaren.

 

Die Passagiere hinterlassen Angehörige.

Wer denkt an sie?

Sie sind in der Trauer – in ihrem Schmerz – in ihren gebrochenen Herzen.

 

Die Mitarbeiter hinterlassen Angehörige.

Wer denkt an sie?

Sie sind in der Trauer – in ihrenTränen – in ihrer Leere.

 

Die Unfassbarkeit und die Trauer ist all gegenwärtig. Egal wieviel geschrieben wird.

Die Unfassbarkeit und die Trauer ist all gegenwärtig. Egal wieviel geredet wird.

Die Unfassbarkeit und die Trauer ist all gegenwärtig. Egal wer die Personen waren.

 

Geben wir den Hinterbliebenen und den Verstorbenen unsere Wertschätzung.

Geben wir den Hinterbliebenen und den Verstorbenen unseren Trost.

Geben wir den Hinterbliebenen und den Verstorbenen unsere Gedanken in Frieden zu sein.

 

Ohne Achtung was geschrieben und geredet wird.

Denn das Wie und Warum können wir nie ganz ergründen.

 

Das Wie und Warum bringt die, die nicht mehr unter uns sind, nicht wieder ins Leben zurück.

 

Das Wie und Warum bringt eine Klärung im Aussen, im Innern bleibt die Unruhe, dass Unerklärliche.

 

Das Wie und Warum löst die Fragen im Grossen auf, doch die Fragen jedes einzelnen persönlichen Fragen der Hinterbliebenen werden bleiben.

 

Das Wie und Warum lindert das Wissen, jedoch nicht den Schmerz um jeden einzelnen Verlust.

 

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Liebe Schwiegermutter

Gedenken an einen wundervollen Menschen, der meinLeben bereichert hat.

Danke das ich dich kennen lernen durfte.


Wir haben Besuch von der Trauer

Meine Liebe, deine Lebensflamme wird kleiner.
Unaufhörlich und sichtbar von Tag zu Tag.
Sichtbar mit jedem Wimpernschlag.

Meine Liebe, erst bist du noch in deinem Stuhl gesessen und hast mit deinem Schalk uns zum Lachen gebracht.
Erst, hast du noch von vergangenen Zeiten

                                                                                           erzählt und wir haben zugehört.

                                                                                           Erst, hast du noch mit deinen Kindern liebevoll

                                                                                           geredet.
                                                                                           Und jetzt ist es stumm und dein Stuhl ist leer.

Meine Liebe, deine Lebensflamme ist kleiner geworden.
Du hast in deinem Leben so viele Geschichten durchlebt.
Du hast in deinem Leben so manches gegeben. Dafür danken wir dir.
Du hast in deinem Leben so gelacht und geweint.
Und jetzt bleibt dein Gesicht unnahbar.

Meine Liebe, deine Lebensflamme ist am erlöschen.
In deinem Leben, hast du alle Menschen so zu nehmen versucht wie sie waren.
In deinem Leben, bist du wertschätzend und voller Liebe mit deinen Mitmenschen umgegangen.
In deinem Leben, hast du vielen Menschen, so viel geben können, mehr als du genommen hast.
Und jetzt vermissen wir dein Wohlwollen.

Meine Liebe, deine Lebensflamme flackert ein wenig noch.
Du warst dankbar, für alles was dir bescheret wurde.
Du warst dankbar, für alle fröhlichen Stunden
Du warst dankbar, dass dein letzter Weg, in einer dir vertrauten Umgebung statt finden durfte.
Und jetzt ist die vertraute Umgebung ohne dich.

Meine Liebe, deine Lebensflamme ist kaum noch sichtbar.
Du hast dich still, in dich zurückgezogen.
Du hast still für dich gekämpft.
Du hast still und merklich von jedem einzelnen von uns Abschied genommen.
Du bist still und leise, für immer, von uns gegangen.

Meine Liebe, deine Lebensflamme ist von dir gegangen.
Unsere Tränen sind ein Zeichen der Trauer, dich ziehen lassen zu müssen.
Unsere Tränen sind ein Zeichen für die Liebe die wir dir geben möchten.
Unsere Tränen sind ein Zeichen wie sehr wir dich vermissen.

Meine Liebe, deine Lebensflamme wird zum Licht.
Zum Licht für deinen neuen Weg.
Zum Licht für deine Lieben, wo immer du jetzt mit ihnen bist.
Zum Licht für alle die dich in ferner Zukunft wieder begrüssen dürfen.

Meine Liebe, deine Lebensflamme, war ein Zeichen für uns.
Es war eine Berreicherung dich kennen zu dürfen.
Es war eine Berreicherung mit dir in deinem Leben zu stehen.
Es war eine Berreicherung mit dir, dich auf deinen letzten Weg zu begleiten.

Wir werden dich immer in Erinnerung behalten.
Wir werden dich immer in unseren Herzen tragen.
Wir werden dich für immer lieben.

Unaufhörlich Tag für Tag.
Mit jedem Wimpernschlag.

Ruhe in Frieden.

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Hansli

In Gedenken an Hansli

 

Still und alleine lebte er, still und alleine ging er.

Still und alleine durchwanderte er sein Dasein.

Still und alleine begab er sich auf die Reise nach Irgendwo.

 

Er durchwanderte sein Leben mit einem kleinen Koffer voll Habseligkeiten.

Er durchwanderte sein Leben in der Bescheidenheit.

Er durchwanderte sein Leben ohne materiellen Hintergrund.

 



Sein Leben brauchte keinen Fernseher, das „Draussen“ war seine Welt.

Sein Leben brauchte keinen Ferienaufenthalt in Irgendwo.

Sein Leben brauchte keinen Luxus.

 

Und doch schien er in seiner eigenen Zufriedenheit zu leben.

Und doch hat es ihm an nichts gemangelt.

Und doch durchlebte er seine eigenen Glücksmomente.

 

Momente, als er den hübschen Servicedamen beim Mittagstisch zugezwinkert hat.

Ein Zwinkern, ein Schalk der dort fehlen wird.

 

Wie sich bei einem Bier seine Zunge löste und aus seiner Stille plötzlich Worte sprudelten.

Diese Worte werden wohl nie mehr gehört.

 

Wie er sich am Dienstag seinen kargen Lohn einholen konnte.

Diese Dienstage werden nicht mehr sein.

 

Wie er das Strassenbild von Chur geprägt hat, mit seinen stillen Pilgerreisen durch die Stadt.

Die Strassen werden jetzt ohne ihn sein.

Die Warenhäuser, eine willkommene warme Stube für den Winter.

Die Warenhäuser verlieren einen treuen Bewohner.

 

Die lustigen Gesten, wie seine Hosen in die Hüfte ziehen und dabei weiterlaufen.

Das amüsante Lächeln bleibt in den Gedanken haften.

 

Ihn auf einen Kaffee einladen. Wie beide Seiten stumm und still im Stuhl vor der Tasse Kaffee verharrten.

Dieser Stuhl bleibt leer. Die Stummheit ist dem „für immer“ Schweigen gewichen.

 

Was bringt uns heute an diesen Ort zusammen, als der Gedanke an den leeren Stuhl oder die Pilgerreisen durch die Stadt.

 

Bringen uns heute die Gedanken zusammen, wie wir uns wohl fühlen würden, wenn wir in dieser Stille, in diesem Allein ausharren müssten.

 

Wir können das Leben von Hans, liebevoll Hansli genannt, mit Worten beschreiben. Wir können die Anekdoten dieser Seele widergeben.

 

Jedoch können wir nicht das Kleid von Hansli anziehen und durch seine Gefühle und Erlebnisse wandern.

Wir können nicht nachvollziehen, wie sein Alleinsein sich für ihn angefühlt hat.

Wir sehen nur die Schuhe, die er zurückgelassen hat.

 

Doch greifen wir die Worte, die wir zu fassen vermögen. Beschreiben wir die Gefühle, die in diesem Augenblick in uns sind.

Jeder von uns weiss für sich, wie sich dieser Augenblick anfühlt.

 

Der Augenblick der Stille, des Alleinsein. Lass uns eine kurze Zeit dieser Ewigkeit an Hansli denken. An ihn, an uns....

Vielleicht trägt jeder in uns ein Hansli in sich.

 

Erbauen wir ein Brücke für Hansli. Eine Brücke in eine andere Welt.

 

Begleiten wir ihn über diese Brücke, damit sein Alleinsein zu Ende geht.

Begleiten wir ihn über diese Brücke, die Brücke der Liebe und des Lichtes.

Begleiten wir ihn über diese Brücke und geben ihn in die Hand des Irgendwos.

 

Er durchwandert sein jetziges Sein mit einem Koffer voller Licht und Liebe.

Er durchwandert sein jetziges Sein im Reichtum der Bescheidenheit.

Er durchwandert sein jetziges Sein ohne etwas von dieser Welt zu brauchen.

 

Keiner wird ihn vermissen und doch wird er fehlen.

Keiner wird von ihm reden und doch ist er in aller Munde.

Keiner wird ihn brauchen und doch ist er immer da.

 

Alleine Tag ein und Tag aus.

Alleine Nacht ein und Nacht aus.

Alleine Weihnachten, Ostern und Geburtstag.

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Dich....

Dich...

 

Die Trauer hat mir heute „dich“ zu mir gebracht.

 

Heute fühle ich die Person, die diese Welt verlassen hat, sehr nahe bei mir.

Ich fühle sie zum Greifen nah. Nur den Arm danach ausstrecken...

Unverständlich, dass ich sie jetzt gerade in diesem Augenblick nicht umarmen kann.

Sie ist doch so nahe bei mir. So nahe.

 

Heute sehe ich die Person, die diese Welt verlassen hat, klar und deutlich.

Wie sie die Hände nach mir streckt, doch meine Hände greifen ins Leere.

Wie sie sich an meine Schulter lehnt, doch die Schulter spürt keinen Druck.

Wie sie mich anlacht, doch mein Lachen geht irgendwohin.

 

Heute höre ich die Person, die diese Welt verlassen hat.

Ich höre ihre Stimme ohne zu wissen, ob meine Antwort dort ankommt.

Ich höre ihr Lachen; fröhlich, ungezwungen und frei. Mein Lachen ist gefangen in mir.

Ich höre ihre Worte, die mich trösten sollen, doch der Trost ist gering. Du fehlst....

 

Heute rieche ich die Person, die diese Welt verlassen hat.

Das Haar, wie es duftet. Wie gerne würde ich mich jetzt in dieses Haar kuscheln.

Den Körperduft, als würde die ganze Wohnung danach duften. Du bist nicht da....

Der Duft der Nacht. Ich drehe mich im Bett danach um und das Bett neben mir ist leer.

 

Die Wahrnehmung der lieben Person ist so schön und zugleich so schmerzlich.

Es weckt die Sehnsucht in mir, nach all dem zu greifen.

 

Diese Sehnsucht, die nicht gestillt werden kann.

Die Sehnsucht, die ich mit niemandem teilen will.

Die Sehnsucht, die mich nach Rückzug schreien lässt.

 

Rückzug nach Einsamkeit.

Rückzug zu dir und mir.

Rückzug all dies aufzunehmen.

 

Nichts sehen.

Nichts hören.

 

Einfach ich und du.

Im monologen Zwiegespräch.

In der alleinigen Dualität.

Im Wissen sein, du bist hier.

Du bist hier in einer anderen Form.

Einfach du und ich.

 

 

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Traurig

Traurig....

 

Sie bringt heute eine ganz andere Art von Trauer mit.

Traurigkeit dir selbst gegenüber.

 

Traurig, weil Menschen die schon ein einige Jahrzehnte an deiner Seite

verweilen, du plötzlich nicht mehr verstehst.

 

Traurig, dass Worte an eine Wand prallen und am Boden zerschellen.

Worte die zurückkommen und verletzend sind.

 

Traurig, dass Handlungsweisen sich so verändert haben, dass sie handlungsunfähig machen. Dass das, womit du anfangen willst, an deiner Hand vorbei rauscht.

 

Traurig, dass Gedanken Gedanken bleiben ohne die Lippen zu erreichen.

Dass angenommen wird, du verstehst schon was gemeint ist.

Doch Gedanken bleiben Gedanken.

 



Traurig, dass man deinen Ruhepol für Zorn, Wut und Beschuldigungen missbraucht.

Und dabei keine Rücksicht in Betracht zieht, dass sich der Ruhepol verändert.

 

Traurig, dass Tränen des Schmerzes nicht gesehen werden oder ignoriert werden.

 

Traurig, dass du selbst Erwartungen hast die nicht erfüllt werden, weil die Erwartungen von deiner selbst ausgehen.

 

Traurig, dass dein Hilfeschrei nicht gehört wird. Oder mit den Worten „du schaffst das schon, du bist stark“ abgetan wird.

 

Traurig, dass die Hälfte der Freundschaften da sind wenn es dir gut geht. Und sonst?

Traurig, dass ein Viertel der Freundschaften dir manchmal die Hand reichen können. Jedoch diese Hand nicht festhalten können, weil sie in sich selbst gefangen sind.

 

Und wenn es nur eine Person ist, die mit dir diesen Weg geht. Ohne Wenn und Aber.

Doch genau diese Person / en sind es wert, die Traurigkeit hinter sich zu lassen.

Die Schulter die angeboten wird anzunehmen und sich anzulehnen, weil du eben stark bist.

Dass Gedanken nicht nur Gedanken sind, sondern zu einem Inhalt werden.

Dass Handlungen deine Hand festhalten.

Dass Worte die Lippen erreichen oder man sich ohne Worte versteht.

Wo Geben und Nehmen im Ausgleich sind.

 

Genau für solche Menschen lohnt es sich weiterzumachen und weiterzugehen.

 

Für diese Erkenntnis danke ich der Traurigkeit. Denn ohne sie hätte ich nie solche Gedanken in Erwägung gezogen.

Für diese Erkenntnis danke ich allen meinen Freunden, die ohne Wenn und Aber für mich da sind. Wertfrei, tröstend und liebevoll. Herzlichen Dank.



Fürstenwald: Das stille Licht

Fürstenwald

 

Heute Abend haben wir gemeinsam Besuch von der Trauer.

 

Ich habe lange überlegt und nachgedacht was ich auf heute Abend schreiben könnte.

Meine Gedanken sind leer geblieben. Meine Ideen haben sich in Luft aufgelöst.

 

Gerade so wie mein Kopf, meine Gefühle erhascht haben, dass ich traurig bin.

Leer in meinen Gedanken, Ideen die nicht wichtig sind und sich in Luft auflösen.

So wie die Wolken im Himmel sich verziehen.

 

Was bringt uns die heutige Trauer mit ausser leere Gedanken oder den Ideenverlust?

Sie bringt uns die Gefühle in unserem eigenen Inneren mit.

 

Den immer wiederkehrenden Schmerz. Die ungestillte Sehnsucht und unersättliche Liebe zu diesem Menschen. Das Herz gefüllt, bis an Rand hin mit Schwermut.

 

Immer wieder im Gefühl sein: „Jetzt, gerade jetzt wird diese Person um die Ecke biegen. Jetzt gerade jetzt wird sie mir die Hand reichen und fragen warum ich traurig bin.“

Doch das Auge bleibt leer, denn es kommt niemand um diese Ecke. Die Hand geht ins Leere, denn ein Händedruck versiegt im Nichts.

 

Nichtssehenkönnen und Nichtgreifenkönnen...

 

Wir alle tragen diese Schwere, dieser Trauer in uns und wissen genau, wir sind nicht allein hier. Und dennoch ist es die innere Einsamkeit, die wir ganz alleine ertragen müssen. Die niemand mit uns teilen kann, weil es unsere eigene Last ist, die wir tragen.

 

Wir alle tragen die Liebe unseres Verlustes in uns. Die Liebe, die sich zur Sehnsucht rangt und den Schmerz bis fast ins Unerträgliche steigert. Wir wissen genau, wir sind mit diesem Herz nicht alleine hier und dennoch steht jeder in seiner Liebe ganz alleine da.

Jeder trägt seine Liebe, seine Sehnsucht und seinen Schmerz alleine im Herzen.

 

Wir können Worte austauschen, Gefühle beschreiben, Schmerzen teilen. Und dennoch können nie die richtigen Worte unser Ohr erlangen. Sie beschreiben unsere Gefühle, unseren Schmerz nur am Rande des Hörens und erlangen nicht die Tiefe unseres Herzens. Denn es gibt keine Worte die das beschreiben können, was in uns sich windet.

Doch greifen wir nach jedem tröstendem Wort, nach jeder lindernden Geste. Erhaschen jeden Augenblick des Nichtalleinseinmüssens. Suchen jeden Moment des Verstandenwerdens.

 

Alles ist wie ein einzelner Tropfen im Universum.

 

Jeder Tag, jede Stunde, jede Minute kann sich unser Inneres verändern. Veränderungen, zu denen wir keine Erklärung haben. Veränderung, die wir wissen woher sie kommt, doch die wir versuchen oder auch nicht versuchen zu akzeptieren, zuzulassen.

Die Veränderungen mitzumachen, ob wir das wollen oder nicht.

 

Genau diese Veränderungen können Brücken erbauen oder Brücken zu unseren Lieben werden.

Brücken die von unserer eigenen Dunkelheit in das Licht der Seele führt.

Eine Brücke in eine andere Welt.

In die Welt, wo Raum und Zeit an Bedeutung verloren haben. In die Welt, wo Schmerzen und Kummer nichts ausrichten können.

In die Welt, wo grenzenlose Liebe und Helligkeit zur Ewigkeit wird.

In die Welt, die wir voller Sehnsucht erwarten zu folgen.

 

Nehmen wir diese Brücke an und gehen ein Stück weit dem Licht zu.

Teilen wir dieses Licht mit jedem von uns. Teilen wir das Licht mit uns selbst und verbinden wir das Licht mit unseren Lieben am Ende dieser Brücke.

 

Zünden wir das Licht an und lassen den Schein unseren Weg erhellen, damit wir den Weg zu unseren Lieben aufnehmen können.

Nehmen wir das Licht in unsere Hände und gedenken unserer Lieben.

Wie wir eins mit ihnen sind, wie wir eine tiefe Verbundenheit spüren.

 

Das Licht der ewigen Helligkeit und Liebe.

Ein Licht erleuchtet unsere Dunkelheit.

Erleuchte unsere Dunkelheit mit Licht.

 

Jedes Licht ,das für eine Seele steht. Jedes Licht, das die Liebe zu Ihnen bestärkt und sie in uns bewahrt.

Licht das unsere Dunkelheit für einen neuen Augenblick erhellt.

Ein Licht, das uns diesen Schmerz, diese Leere, diese Sehnsucht für einen Augenblick erhellen möge.

Licht und Wärme in uns selber zu finden. Licht und Wärme miteinander zu tauschen, wie uns Schmerz und Sehnsucht verbindet.

 

Teilen wir das Licht dieser Liebe im Namen unseren lieben Menschen.

Und gehen wir jeden unseren eigenen Weg zu der Brücke in die andere Welt.

 

In Stille tragen wir dieses Licht weiter..........

Weiter zu dieser Brücke....

Weiter in den Augenblick...

Weiter in die Ewigkeit....

 

 

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Weihnachten


Weihnachten


Heute ist der dritte Advendsonntag.

Noch zehn Tage bis Weihnachten. Wenn ich an Heiligabend denke, schnürt es mir die Kehle zu.

Die ersten Weihnachten ohne meine geliebte Person.

Wenn ich daran denke, weiss ich nicht was ich mit mir selbst anfangen soll.

Ich weiss nicht, wo mit meinen Händen hin.

Ich weiss nicht, was ich als nächstes tun soll.

Ich weiss nicht, was ich sagen soll.

Ich weiss nicht, wo ich genau in diesem Moment stehe oder gehe.

Weihnachten das Fest der Liebe, ohne meine geliebte Person.

Das Fest der Fröhlichkeit, ein  aufgesetztes Lachen und innerlich zerreissen mich meine Gefühle.

Das Fest der Vorbereitungen und im Aussen funktioniere ich nur still daher.

Es soll ja niemand merken, wie es mir geht.

„Du schaffst das schon, du bist stark“.

Es soll ja niemand merken, dass meine Stärke Risse bekommen hat.

Es ist für mich nicht ein Fest der Freude, sondern ein Kampf mit meinem eigenen „Aushalten“.

 

In einer stillen Minute inne halten und ein Zwiegespräch mir der Seele meines geliebten Menschen führen.

Was würdest du jetzt, an dieser vorweihnachtlichen Zeit jetzt wollen?

Was würdest du jetzt sagen oder machen?

Was würdest du dir wünschen zu diesem Fest?

Ich weiss du würdest die Stille und Andacht suchen.

 

Meine Gedanken laufen ins Leere. Unfähig die Antworten zu vernehmen, die mir „vielleicht“ die Seele überbringen will.

Unfähig überhaupt einen klaren Gedanken zu erfassen.

 

Es gibt immer nur einen Gedanken: Du bist nicht mehr bei mir....

Es hämmert ununterbrochen in meinem Kopf, er ist nicht mehr hier, was soll ich hier allein .....

Ich bin gefangen in der eigenen Trauer und in einem Berg von Gefühlen. Gefangen in meinem eigenen Dasein.

Die ersten Weihnachten ohne meinen geliebten Menschen.

Die Sehnsucht, dass diese Tage kürzer als alle andern werden.



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Junger Mensch

Andenken an Lukas L. und alle die zu früh  gehen mussten......

 

Heute hatte ich besuch von der Trauer.
Sie hat mich diese Woche schon einmal besucht.
Der Besuch war in Fassungslosigkeit und Hilflosigkeit gepackt.

 

Sie brachte eine geballte Ladung von Emotionen und Gefühlen mit sich.
Den Tod eines jungen Menschen riss mich in diese unendliche Trauer.

 


Gefühle haben sich mit Angst vermischt und der Kopf wusste nicht wo er hingehört, dass Herz hätte ich am liebsten aus der Brust gezerrt.

 

Bange Stunden, Stunden des wartens und eine unendliche, tiefe Trauer mit immer wieder Hoffnung vermischt.


Dann die Nachricht, ein Aufschrei. Irgendwo eine gewisse Erleichterung. So wie die Sonne ein Wolkenmeer für einen kurzen Augenblick durchbrechen würde. Um gleich wieder in der düsteren Unendlichkeit sich zu verlieren.


Unfassbar einen klaren Gedanken zu fassen. So als würde der Boden unter den Füssen weggezogen.
Kopfschütteln des nicht begreifen könnens. Der Versuch genau das noch festzuhalten, was noch vorhanden ist, was immer das auch ist.


Ich bin ein Mensch unter vielen. Diese unedliche Trauer hat mich ergriffen. Zu tiefst betroffen gemacht.
Nahe stehende Menschen, wie die Eltern, die nicht Menschen unter vielen sind, sondern in engem Bezug stehen, wie fassungslos und hilflos müssen sie sich fühlen, dies ist sehr schwer nach zu empfinden.


Wie ungehäuerlich dieser Schmerz ist, kann nur erahnt werden.
Die Zeit scheint still zu stehen. So wie ich heute Abend still stehen werde und meine Gedanken ganz fest an die Familie und den jungen Menschen richten werde. Ein kleines, winziges Licht des Trostes schicken möchte.


Um 19.00 Uhr unter freien Himmel trete und das Licht in die Unendlichkeit der Dunkelheit legen werde. Als Wegbegleiter für den jungen Menschen und den Angehörigen.

 

 

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Fröhlichkeit

Fröhlichkeit

 

Heute hatte ich besuch von der Trauer.
Sie hat heute ein ganz besonderes Geschenk mitgebracht.
Sie hat Festlichkeiten, der fröhlichen Art mit genommen.


Mitten in dieser Trauer, Menschen um dich zu haben die fröhlich sind, die ausgelassen lachen und schnattern.




Mitten in dieser heiteren Stimmung zu sein, löst ein unsägliches Gefühl des allein seins aus. Eine erdrückende Einsamkeit nimmt den Platz im Herzen ein. Nicht nur im Herz, nein im ganzen Körper. In jeder Faser meines Daseins.


Ein Gefühl von schwere, als müsste sich nächstens der Boden auftun, dass du dich mit deiner Trauer verabschieden kannst.
Weg, nur weg von Fröhlichkeit und Ausgelassenheit.
Dein fröhliches Gegenüber löst ihn dir ein aufgesetztes Lachen aus.
Ein Schmunzel. Die Lippen verziehen die Mundwinkel ungewollt, unkontrolliert nach oben.
Ja, die Kontrolle... Sie ist gleich zur Stelle....


Fröhlich sein, wie kann man in der Trauer fröhlich sein? Wie kann man sich erlauben ein Lachen auf zusetzten. Den Mundwinkeln ihren freien Lauf zu lassen. Schäme dich, so etwas geht gar nicht. Wie kannst du dich getrauen, in deiner Situation Fröhlichkeit zu zeigen? Du hast einen geliebten Menschen verloren und alle sehen dir zu wie du fröhlich bist.


Du siehst dir am meisten zu. Du hast kein recht dazu, denn du bist doch traurig.
Du stehst da und hast das Gefühl jeder zeigt mit dem Finger auf dich. So wie damals in der Schule, wenn alle dich auslachen.


Du schämst dich. Du schämst dich so, als würdest du am liebsten selbst tod umfallen.
Und du erkennst deine Tage der Fröhlichkeit sind noch nicht bereit für dich. Nicht jetzt, irgendwann einmal, wann immer das sein wird.


Danke Trauer, dass du mir die Zeit gibst, dich in mir zu spüren, bis du, wann immer das sein wird, deinen Platz mit etwas Fröhlichkeit teilen magst.


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Friedhof

Friedhof

 

Heute hatte ich besuch von der Trauer.
Sie bittet mich heute auf den Friedhof zu gehen. Ich packe meinen Mantel und den Regenschirm und laufe los.


Das Wetter ist durchzogen. Regentropfen gleiten den Blättern entlang und lassen sich auf den Boden fallen.
Sie widerspiegeln mein Herz. Das unendlich traurig ist.
Ich laufe den Asphalt entlang. Unter meinen Füssen knirschen die einzelnen Kieselsteine. Ich versuche leise zu sein.

Angemessen für diesen Ort zu erscheinen.


Ich habe das Gefühl ich laufe neben mir her. Als wäre ich in einer Dualität vorhanden.
Mein inneres Ich schaut auf und fragt sich immer wieder, was mache ich hier eigentlich.
Was suche ich auf diesem Friedhof.


Ich laufe die verschiedenen Gräber entlang. Bleibe ab und zu stehen um die Inschriften der Grabsteine zu studieren.
Ja diesen Menschen habe ich gekannt, ich wusste gar nicht das Frau x gestorben ist.
Ach und dieser Mensch war noch viel jünger....


Gedanken um Gedanken nehmen mich in Besitz.


Ich stehe vor dem Grab, das ich aufsuchen will. Was mache ich hier. Ich zupfe etwas an den Blumen. Möchte einige Worte sprechen. die Stimme bleibt stumm....


Ich versuche meine Gefühle zu erkennen. Nichts...als wäre ich selbst die starre Materie des Grabsteins.
Schuldbewusst schiele ich unter meinem geneigten Kopf empor. Ich bin ein schlechter Mensch, ich empfinde nichts an diesem Grab.


Diese Frau dort weint, dieser Mann spricht... und ich???? Stehe still und starr da.
Langsam versuche ich meine Starrheit zu bewegen. Mit jedem Schritt machen sich Gedanken der Vergangenheit breit. Gedanken über das Weggehen aus dieser Welt. Und je mehr Gedanken mir kommen, je bewusster wird mir, die Liebe für diesen Menschen ist in meinem Herzen und nicht in den Grabstein eingemeisselt.


Eine gewisse Leichtigkeit mischt sich unter das traurige Herz. Leichtigkeit, dass ich den Menschen im Herzen mit nach Hause tragen kann.


Und die Gewissheit, dass ich die Ruhestätte als liebende Geste benutzen darf.


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Das Wort "Trauer"

Das Wort Trauer

 

heute hatte ich besuch von der trauer.
sie brachte mir einen denkanstoss mit, zu dem wort trauer.


ist dieses wort männlich oder weiblich? ich möchte hier nicht auf die deutsche schreibweise zurück greifen, denn in dieser ist sie weiblich, weil sie ja die trauer heisst.


wenn ich das t in diesem wort genauer betrachte,kommt es mir doch so vor als trage es eine gewisse härte in sich. eine entgültigkeit, eine entschlossenheit, etwas unwiderrufliches.


dann auch wieder, die emotionen die die trauer beinhaltet, kannn beide aspekte tragen, den männlichen zorn / wut, die weibliche depression.


die trauer verschliesst das innere, des herzens und lässt nichts an sich herankommen sowie ein mann, der allem trotzt.


die trauer öffnet jedoch auch alle sensoren. sie wird empfindlicher und sensibler wie der weibliche part.
die sehnsucht, das verlangen, zeigen die geballte form der weiblichkeit. das nicht weinen, das stark sein sollen zeigt die muskeln des mannes.


und hat es nicht noch einen anteil des kind seins? den tränen sich hingeben, das „heimweh“ nach etwas fernem? das sich tröstenlassen, sich klein fühlen und sich auch klein machen möchte.


lieber leser ist es nicht spannend, das genau die trauer sich in keine persönlichkeitsstrukur einzwängen lässt.


das genau sie dir zu verstehen gibt: lebe deine trauer in deiner eigenen urpersönlichkeit aus. egal ob kindlich, männlich oder weiblich. sie ist so wie sie ist.


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Vater


Vater


heute morgen bin ich aufgewacht.

heute hat die trauer mein herz besucht.


ich heisse sie willkommen. die trauer hat sehnsucht und verlangen mit gebracht.

sehnsucht meinen vater zu besuchen,

sehnsucht mit ihm zu reden,

sehnsucht mit ihm zu sein, das verlangen ihn zu umarmen.


die trauer hält die gedanken an meinen vater aufrecht.

sie zeigt mir das die liebe zu diesem menschen nie abbricht.

liebe trauer, du und deine emotionen und gefühle sind immer wieder willkommen.

auch wenn der schmerz fast unerträglich ist, weiss ich,

dass mein vater immer einen platz in meinem herzen hat. danke.



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Der Engel und der Schatten


Der Engel und der Schatten


Es gibt Märchen, die sind keine Märchen und Märchen, die eben Märchen sind. Das Märchen oder die Geschichte, spielt sich anfangs siebiziger Jahre ab. Es könnte aber eben so gut gestern oder heute gewesen sein. Auf einem Bauerngut lebt eine junge, schöne Frau. Die Frau hat einen Sohn. Der Sohn ist noch sehr klein. Er lernt erst grad das Lesen und Schreiben. Die schöne Frau hat nicht nur einen Sohn, nein, sie hat auch ein Patenkind. Ein Mädchen. Das Mädchen ist einwenig älter als ihr Sohn. Bereits schon ganz neun Jahre zählt sie. Der Sohn und das Mächen sind wie Geschwister. Das Patenkind ist jede freie Minute auf dem Bauernhof. Heute ist es wieder soweit. Der Sohn kommt dem Mädchen bereits endgegen gelaufen. Hand in Hand spazieren sie zu seiner Mutter. Liebevoll streicht diese den beiden Kindern übers Haar. Es ist so als würden tausend Engel um diese Patin herum fliegen, so liebevoll ist der Anblick der Frau. Doch, neben diesem herrlichen Anblick, bewegt sich auch ein Schatten. Die Kinder toben und tollen draussen in der frischen Luft herrum. Im Bächlein wird ein See gestaut. Rinden dienen als Schiffchen, Blumen sind die Passagiere.

 

So vergehen die Tage. Wieder ist es soweit und das Mädchen tritt fröhlich den Weg zu dem Sohn an. Auf halbem Weg, begegnet sie dem Schatten. Dieser Anblick macht ihr Angst. Doch sie sieht neben dem Schatten auch ein Engel. Der Engel fängt, zur Verwunderung des Mädchens, zu reden an: „ Mein liebes Mädchen, du musst jetzt stark sein. Der Sohn braucht dich jetzt. Der Schatten will dir eine Botschaft überbringen.“ Der Schatten fängt mit tiefer Stimme an zu reden: „Was der Engel sagt ist wahr. Auf dem Bauernhof wird dich eine traurige Nachricht erwarten. Deine Patin ist sehr krank und ich muss sie jetzt holen. Ihr Körper hat keine Kraft mehr um auf dieser Welt zu leben.“ Der Engel umarmt das Mädchen und gibt ihm zu verstehen, dass er immer bei ihr sein werde. So, wie die beiden erschienen sind, verschwinden sie auch wieder. Das Mädchen ist erstaunt. Hat sie am hell lichten Tag geträumt. Was meint der Schatten, er müsse sie jetzt holen? Beklommen geht sie ihren Weg weiter.

 

Von weitem sieht sie den Sohn. Er rennt was er kann. Das Mädchen sieht die Tränen im Gesicht des Buben.Liebevoll umarmt sie ihn. „Mami....“ schluchzend: „ Mami hat die Augen zu gemacht und gibt keine Antwort mehr. Die Leute sagen sie ist gestorben.“ Wortlos gehen die beiden Kinder zum Bauernhof. In Begleitung des Engels. Das Mädchen sieht ihn. Alle andern nicht. Auf dem Bauernhof sehen sie die mitleidigen Blicke der Menschen. Die Stimmung schnürt den beiden die Kehle zu.Einige Frauen laufen geschäftig hin und her. Ein Arzt verlässt das Haus. Den beiden Kindern wird der Weg ins Haus verwehrt. Sie werden in die Küche begleitet. Keiner spricht ein Wort. Keiner gibt eine Erklärung ab. Eine Frau aus dem Dorf gibt den beiden eine warme Milch. Wie lange die beiden in der Küche verweilen, wissen sie nicht.Es wird beratschlagt was mit den beiden Kindern geschehen soll. Das Mädchen könnte man nachhhause bringen, der Bube könnte ja mit ihr gehen. Sie wären beide noch zu klein um das Geschehene zu verkraften und zu verstehen. Doch das Mädchen wehrt sich.„Ich will bei meiner Patin bleiben und der Sohn bei seiner Mutter. Sie wisse genau, das die Mutter jetzt ein anderes zuhause habe.“Die Frauen sind sehr erstaunt, dass das Mädchen solche Sachen sagt.Der Engel lächelt nur. „Wo schlafen die beiden? Wir haben keinen Platz. Das Haus ist zum bersten voll. Es hat nur noch ein Sofa in der Stube, aber da ist die Frau aufgebahrt.“„Genau dort wollen wir beide schlafen. Wir haben keine Angst vor der Patin.“ Das Mädchen hat das so voll Überzeugung gesagt, das sich niemand mehr getraut zu wieder sprechenDer Abend ist hereingebrochen. Der Vater von Bub kann sich von seiner verstorbenen Frau kaum losreisen. Die Frauen

hmen ihn behutsam an den Händen und führen ihn in die Küche. Den Kindern wird das Schlafzeug bereit gelegt. Immer wieder werden die beiden gefragt, ob das ihr Wunsch sei. Und beide haben immer heftig genickt. Es ist Nacht. Auf dem Hof ist es ruhig geworden. Ab und zu werden die Schritte vom Vater wahrgenommen. Dann wieder ein Schluchzen. Dann wieder ist es ruhig.

 

Der Sohn kuschelt sich ganz fest an das Mädchen:“Hast du wirklich keine Angst?“ Nein, wieso soll sie Angst haben? „Kommt Mami wirklich nicht mehr zu mir?“ Das Mädchen ist im Moment ratlos. Was soll sie sagen. Sie streicht dem Cousin übers Haar. Der Engel und der Schatten sind beide in der Stube. Beide können dem Mädchen keine Angst mehr einflössen. So, sitzt sie zusammen einige Zeit auf dem Sofa. Gespannt hört sie zu was der Schatten und der Engel ihr erzählen.Nach einer Zeit meint sie, dass sie ihm eine Geschichte erzählen möchte. Er nickt gespannt. „Möchtest du zu Mami hingehehn und sie ansehen wie sie schläft?“ Beide gehen an den Sarg und sehen die Frau, friedlich und sehr schön, wie sie da liegt.„Wenn Mami aber schläft kommt sie doch wider?“„Weißt du Bub, hier ist ein Engel und der hat mir folgendes erzählt. Beide setzten sich wieder auf das Sofa. „ Deine Mami hat jetzt keine Schmerzen mehr. Sie ist hat heute eine Reise angetreten. Eine Reise die sie selber gehen muss.“ „Oh, dann kann ich also mit auf diese Reise“. „Nein, mein lieber Cousin, das geht nicht. Sie darf diese Reise alleine gehen. Eines Tages, wenn sie einen schönen Ort gefunden hat, kommt sie vorbei und wird dich abholen. Das geht aber noch sehr, sehr lange.“„ Muss Mami denn, soweit laufen?“ „ Nein, sie darf fliegen. Du weißt doch das Engel fliegen können. Sie fliegt jetzt mit den Engeln in den Himmel.“ „Dann sieht sieh mich doch von weit oben?“ „Ja, mein Lieber, sie sieht dich von weit oben. Und sie wird immer lieb zudir sein. Auf dich aufpassen, dass dir nichts passiert. Du kannst immer mit ihr reden. Wenn du ganz fest zuhörst, wirst du auch hören was sie dir sagt.“ „Kann ich ihr auch winken?“ „Ja, du kannst ihr auch winken. Sie sieht das und wird dir zurück winken. Vielleicht wirst du das nicht grad so sehen. Aber du kannst es in deinem Herzen spühren. Du bist nie alleine. Und wenn du dich ganz fest anstrengst, wirst du den Engel an ihrer Seite sehen.“ „Wird sie auch ein Engel sein?“ „Lieber Cousin, wir alle werden Engel sein. Auch deine Mami.“ „Wo wird Mami denn schlafen? Und was wird sie essen?“ „ Sie schläft auf den Wolken und sie braucht nicht zu essen. Denn Engel haben keinen Hunger oder Durst.“ „Das ist gut.“ „ Sieht Papie den Engel auch?“ „Im Moment noch nicht. Er ist sehr fest traurig und durch seine Tränen kann er den Engel nicht sehen.“„ Die Frauen haben gesagt, dass morgen dieser Sarg zugemacht wird und Mami wieder zu Erde wird. Aber ich weiss, dass Mami Angst im Dunkeln hat“. „Die Frauen haben recht. Der Sarg wird mit dem Deckel dort zugemacht. Danach gehen wir auf den Friedhof und der Pfarrer wird beten. Der Körper deiner Mutter wird wirklich in ein Grab gelegt. Aber weißt du, das ist nur der Körper. Mami ist ja ein Engel und braucht diesen Körper nicht mehr. Es ist wie ein Kleid, das man wechselt. Sie hat es nicht dunkel, sondern sie ist von Licht umgeben.“ „Aber warum muss man sie dann begraben.“ „ Du gehst doch auch ins Bett, wenn du müde bist und merkst nicht wie du schläfst. Genau so müssen wir Menschen soooo lange schlafen in diesem Grab. Bis wir ein neues Kleid gefunden haben, dass uns gefällt. So lange schlafen wir in der Erde und sind bei den Engeln.“ „ Ich bin froh das Mami mich sieht und ich mit ihr reden kann. Schön, dass sie ein Engel ist. Ich freue mich bis ich auch ein Engel bin.“„Das geht noch eine lange Zeit. Wer weiss vielleicht, siehst du den Engel schon bald. Und jetzt schlafen wir noch ein wenig, denn morgen wird es sehr traurig für viele

Menschen. Wir dürfen traurig sein und weinen, aber wir beide wissen jetzt, dass es Mami sehr gut geht. Oder?“ Der Sohn nickt und beide schlafen ein.

 

Am Morgen müssen die Frauen die beiden Kinder wecken. Papa steht vor dem Sarg und weint laut um seine Frau. Die Kinder ziehen sich lautlos an und schauen sich dabei immer wieder an. Der Schatten und der Engel sind immer noch in der Stube.Jetzt kommen die Männer um den Sarg zu holen. Papa muss fast mit Gewalt weg gezerrt werden. Da reisst sich der Sohn aus der Menge und eilt zum Papa hin. Er nimmt seine Hand und sagt zum Vater: “ Papa, Mama ist jetzt ein Engel. Und sie hat es gut und keine Schmerzen mehr. Siehst du denn nicht den Engel, der mit Mama Hand in Hand weggeht. Papa du musst nicht so fest weinen, sie wird auf uns warten. Wir werden sie beide wiedersehen. Sie ist so schön. Sieh doch hin. Schau wie sie dich umarmt und dir winkt. Sei nicht traurig.“Der Sohn und das Mädchen haben den Engel gesehen. Das Herz ist jetzt nicht mehr so schwer. Und immer wieder redet der Sohn mit seiner Mutter.Jahre später steht der Schatten vor dem Sohn und die inzwischen junge Frau weiss, dass seine Mutter und sein Vater ihn jetzt zu sich holen wird. In einen Himmel voll Licht.Die junge Frau ist sehr traurig. Doch sie weiss, dass der Cousin auf sie wartet. Mit all den Engeln im Himmel.

 

 

 

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