Empathie oder Überforderung?

Aktualisiert: 16. März



 

Empathie oder Überforderung?


KRANK


Wie so viele Menschen auf dieser Erde hat mich Corona ins Bett gezwungen. Ich durfte in dieser Zeit sehr viel empathische Menschen um mich herum wissen. Alle haben es ausgezeichnet mit mir gemeint. Für ein gutes Umfeld bin ich sehr dankbar. Wenn ich so darüber nachdenke, stelle ich fest, dass das „Wohl gemeinte“ sicherlich ehrlich gemeint ist. Doch ist es immer, das, was der Mensch benötigt? „Oje, hoffentlich bekommst du nicht allzu schwere Symptome“ oder „Du mit deiner Lunge bist sehr gefährdet“. „Besser wäre es ins Spital zu fahren“… Mir fällt auf, dass die meisten Menschen immer vom schlimmsten ausgehen. Für einen kranken Menschen ist das eher wenig aufbauend. Natürlich haben sich diese Meinungen in uns manifestiert, denn seit 2 Jahren wird (von Aussen) auf der negativen Spirale aufgebaut. Ach ja: Und die vielen lieb gemeinten „Ratschläge“ und „Empfehlungen“. Jeder hat sein eigenes Mittel parat. Und genau dieses Mittel ist das beste, dass es gibt. Ist es wirklich für jeden Mann, sorry Frau, das Beste? Wenn ich dies genauer betrachte: Wie viele haben mich gefragt: „Was würde dir JETZT gerade guttun?“, oder „Was würdest du JETZT gerade benötigen?“ „Was kann ich dir JETZT gerade gutes tun?“




 

TRAUER


Im Vergleich zu trauernden Menschen, hat diese Situation so viel Ähnlichkeit.

Wenn, nicht sogar die gleichen Herausforderungen.


Überforderungen, mit einem „leidenden“ Menschen umzugehen, ist in unserem Alltag sehr eingebettet.

In unserer schnelllebigen Zeit ertragen wir kaum Menschen, denen es nicht „gut“ geht.

Krankheit, Trauer oder Tod überfordern uns plötzlich.

Am liebsten würde man diesen Menschen aus dem Wege gehen, denn sie machen uns handlungsunfähig.


So greifen wir zu Floskeln wie:

„Melde dich, wenn du mich benötigst?“

Die meisten Trauernden oder eben Kranke werden nicht die Kraft aufbringen sich zu melden.

Ein Satz, der meistens ins Leere läuft.


Vergleiche anzustreben, dass es noch viel schlimmer Situation gibt, als eben genau dieser Todesfall, dieser Krankheit, sind Schmälerungen der Trauer und sehr verletzend.


Auch davon auszugehen, dass es nichts schlimmere mehr gibt. Das weiss der Trauernde selbst sehr gut.

Und genau in diesem Moment könnte der Hinterbliebene vielleicht etwas benötigen:

„Was würde dir JETZT gerade guttun?“

„Was benötigst du JETZT gerade?“

„Was kann ich dir JETZT gerade gutes tun?“

Sätze, die kleine Wunder bewirken können.


Ob krank oder trauernd, der Mensch ist selbstbestimmt und weiss am besten, was er benötigt und was ihm guttut. Die Menschen sind in einer Ausnahmesituation.


Für das Gegenüber kann diese Kommunikation und Haltung von einer Überforderung zu einer aufrichtigen empathischen Haltung werden. Was für beide Menschen zu Verständnis und Vertrauen führen kann.



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